Kreuzgangspiele im Sommer 2021 bei Sonne und Regen
Gästekreistreffen im Romantik Hotel Greifen Post in Feuchtwangen vom 14.-17. Juli 2021

Zehn Romantikerinnen und Romantiker trafen sich im Romantikhotel Greifen-Post im mittelfränkischen Feuchtwangen zum Gästekreistreffen an der Romantischen Straße.

Mittwoch, 14. Juli 2021

Als alle gegen 18 Uhr eingetroffen waren, gab es einen freundlichen Empfang durch Frau Becker-Plaha mit Fruchtprosecco und unserem bewunderungswerten Schirmherren und Organisator, Herrn DÖRTELMANN.

Nach dem köstlichen 3-Gänge-Menü ging es in den nahegelegenen Nixelgarten zur Freilichtaufführung des für Jugendliche leider gekürzten und angepassten Schiller-Dramas: „Die Räuber", uraufgeführt in Mannheim 1782.
Schiller war einer der größten Repräsentanten der deutschen klassischen Dichtung, dessen etwa 250 Jahre alte pathetische deutsche Sprache zu manchen Verständnisproblemen beitrug, aber auch die etwas irritierende Räuberbesetzung durch junge Frauen gefiel nicht jedem. Alles in allem war es dennoch eine schauspielerische Glanzleistung der jungen Darstellerinnen und Darsteller, mag es auch während der Aufführung leicht bis schwer genieselt haben.
Nach einem feuchtfröhlichen Ausklang danach in der Greifen-Post fielen wohl alle gegen Mitternacht todmüde ins Bett.

Donnerstag, 15. Juli 2021

Um 10.15 Uhr, nach ausgiebigem Frühstück, fuhren wir mit dem Bus über Detwang nach Creglingen und Tauberzell.

In Detwang hatten wir in der Peter-und-Paulus-Kirche eine geführte Besichtigung durch den Pfarrer Herrn Peter Noack. Bewunderswert war der Heiligkreuzaltar von Tilman Riemenschneider, ein Meisterwerk europäischer Holzschnitzkunst. Leider wurde der Schrein, damit er in die Nische passt, nachträglich verkleinert, wodurch die Ausgewogenheit der Komposition litt.
Ein Mittagsimbiss im Gasthaus „Zum Falken" , unweit der Grenze zu Baden-Württemberg, gereichte zur Sättigung aller. Wir probierten auch den leckeren Hauswein.
Wohlgenährt ging´s am frühen Nachmittag nach Creglingen im Main-Tauber-Kreis bereits auf baden-württembergischen Gebiet. Die 5000-Seelen-Gemeinde, 50 km südlich von Würzburg, birgt einen Kunstschatz größter Bedeutung: In der Herrgottskirche, südlich des Ortskerns, in einem Tauberseitental gelegen, steht der weltberühmte Tilman- Riemenschneider-Altar. Er ist derart beeindruckend, dass der Hauptaltar aus dem späten 15. Jahrhundert beinahe übersehen wird; er zeigt farbenprächtig die Passionsgeschichte Jesu.
Ein Kuriosum in der deutschen Museumslandschaft ist das weltweit bekannte kleine aber feine private Fingerhutmuseum nahe der Herrgottskirche. Es birgt auf einer Ebene eine Vielzahl von Nähhilfen und deren Geschichte vom Mammutjäger bis in die Neuzeit.
Sogar Fingerhüte zur Selbstverteidigung waren zu bewundern, ebenso Fingerhüte zu kleinen Schnapsgläsern umgearbeitet.
Nach dem 4-Gänge-Menü ging´s um 18 Uhr in den Innenhof der Kreuzgangkapelle. Bram Stokers „Dracula" stand auf dem Programm, eine beeindruckende Vorstellung ohne Regen, aber mit so manchem Schockeffekt durch Krach und Illumination.
Das Theaterstück des späten 19. Jahrhunderts skizziert, was Menschen widerfährt, die mit einer schweren Heimsuchung konfrontiert werden und mit welchen Strategien sie dieser Katastrophe zu entkommen versuchen.
Die Kernfigur „Dracula" war einst ein Mensch voller Liebe, bevor ihn ein Schicksalsschlag traf; der Tod seiner Frau führte ihn zu Irritation, Verstörung und Fehlverhalten.
Der Intendant der Kreuzgangspiele Johannes Kaetzler schreibt dazu im Theaterprogramm 2021: „In den Wirrnissen der Pandemie stärkt sich mein Glaube, dass in jedem wahren Kunstwerk eine wundersame Flamme zu leuchten hat, entzündet vom heiligen Ernst der Liebe, auch in Bram Stokers düsterem Weltwerk „Dracula." Es war eine beeindruckende Vorstellung!

Freitag, 16. Juli 2021

Am Vormittag gab es eine Stadtführung durch Feuchtwangen unter der Leitung von Frau Elisabeth Binder. Frau Binder beeindruckte uns durch Fachwissen und Beredsamkeit. Sie führte uns zur reich ausgestatteten Stiftskirche und zur schlichten Johanneskirche (die Leutkirche), die unmittelbar nebeneinander stehen, zum Minervabrunnen, umgeben von fränkischer Idylle des Marktplatzes, zur ehemaligen Synagoge, die in der Reichskristallnacht 1938 dem nationalsozialistischen Rassenwahn zum Opfer gefallen war. Frau Binder malte in eindrücklichen Farben ein Bild alten Aberglaubens und deftigen Brauchtums in Mittelfranken.
Mitten im Ort steht der empfehlenswerte Gasthof „Sindel-Buckel", rustikal und urfränkisch; dort erholten wir uns unter freiem Himmel bei sommerlichem Wetter. Die Spezialität des Hauses, gebackener Karpfen mit Erdäpfelschlaat, schmeckte hervorragend.
Nach der Mittagspause gab es Gelegenheit, das fränkische Volkskundemuseum zu besuchen.

Am Abend gab es wieder ein großartiges Menü, diesmal 5 Gänge. Die Nachspeise wurde nach dem Theaterbesuch serviert. Diesmal wurde uns Shakespeares Komödie (von 1602) „Ende gut, alles gut" gezeigt, sie bestach durch die große schauspielerische Leistung, die altertümliche Sprache, aber weniger durch den verworrenen Handlungsstrang und das für uns unverständliche Bühnenbild.
Zurück im Hotel genossen wir noch das leckere Dessert. Beim fröhlichen Ausklang bei Bier, Wein und anderen geistigen Getränken bedankten wir uns, wie bei den Romantikern üblich, mit einem Obolus beim Personal für die überaus freundliche Bewirtung.

Samstag. 17.Juli 2021

Heute war der Tag der Abreise gekommen.
Da das geplante Gespräch mit dem Intendanten der Kreuzgangfestspiele nicht stattfinden konnte, traten wir nach einem ausgiebigen Frühstück die Heimreise etwas früher an.
Wir verließen Mittelfranken nach wenigen, aber ereignisreichen Tagen, die uns Romantikern unvergesslich bleiben werden. Wir werden sicher wiederkommen.
Vor allen Dingen möchten wir uns nochmal bei Herrn Dörtelmann bedanken, der zum wiederholten Male diese Reise vorbereitet hat.

Magdalene Röltgen und Holger Stein, Bottrop

ROMANTIK Gästekreis e.V.
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